Range_Rover_Velar

Range Rover Velar der Charakter-Leuchtturm

Posted on Posted in Allgemein

Test: Range Rover Velar P380

In der eh schon dicht besetzten Land-/Range-Rover-Palette nimmt der neue Velar die Position des schönen Dynamikers ein. Er macht das hervorragend und gibt damit seinen Brüdern mächtig Schatten.

 

Von Zeit zu Zeit packt es die Engländer. Dann lancieren sie ein Auto, das aus der Reihe tanzt. Erfolg nicht immer garantiert, so wie einst die Rover 3500 selig. Andere machen Kasse und werden Legenden wie der Range Rover, eigentlich das Ur-SUV. Die Prototypen dieses Boulevard- und Schlammüberwinders in den späten 60er-Jahren trugen den Tarnnamen «Velar». Dieser Name wurde jetzt aus dem Archiv geholt und an die neuste Kreation aus Coventry vergeben. Ein stämmiger SUV, einen Hauch kleiner als aktuelle Range Rover Sport, aber mutiger gezeichnet, niedriger, faszinierender und im Interieur «aus einer neuen Zeit». Da sticht der Velar aus der aktuellen Autoproduktion hervor.

 

Spektakel in der Nacht

Es präsentieren sich, umrahmt von edlen Materialien und Unmengen Detailverliebtheit, zig Touch-Bildschirme, über die sämtliche Wagensteuerungen getätigt werden. Dabei geht Range Rover noch konsequenter vor als zum Beispiel Volvo im XC90. Es sieht grossartig aus. Vor allem nachts wähnt man sich im Airbus-Cockpit. Das digitale Spektakel macht Laune. Nach Eingewöhnung findet man sich gut zurecht. Gewisse Dinge sind sogar besser gedacht als bei der Konkurrenz, so die Steuerradbedienungen. Wobei der guten Ordnung halber gesagt werden muss: Schneller als mit Knöpfen ist man in diesem Touch-Umfeld nicht am Ziel. Auch muss der Blick immer schnell weg von der Strasse. Blind bedienen auf der Mittelkonsole geht nicht. Aber es macht einfach so viel mehr Spass. Bei der Ästhetik von Digital-Cockpits ist der Velar State of the Art. Auch in Sachen Assistenz- und Sicherheitssysteme reiht sich der Range Rover bei den Fortschrittlichen der Kategorie ein, bei genügend Clicks im Konfigurator. Es fehlt nur eine Smartphone-Spiegelung à la Android-Auto. Da setzt die Marke auf die eigene App – Briten haben einfach ihre Traditionen. Das gilt zum Glück auch bei den Motoren. Natürlich gibt es Benzin-Turbovierzylinder und sparsame Diesel. Aber eben auch den klassischen V6-Dreiliter- Benziner mit Kompressor, Musik aus dem Motorraum, bei jeder Drehzahl. Die 380 PS sichern – wen wundert’s – souveränes Fortkommen, herrlich. Verbrauchszahlen nennen wir aus Respekt vor diesem Charaktermotor nicht. Wer diese Maschine wählt, weiss, dass er mehr Lebenszeit vor Zapfsäulen verbringen wird.

 

Flauschiges Räkeln

Grossartig auch das Fahrwerk, das mehr auf Spass getrimmt ist als die Brüder der eigenen Marke. Ursprung dieser Tatsache dürfte die Herkunft des Unterbaus des Velar sein, der aus dem Jaguar F-Pace stammt und dort schon für Lob sorgte. Wobei alles im «Range» noch eine Stufe ausgewogener gelungen ist, sowohl im Sport-Modus wie auch auf Stufe Comfort. Die autointeressierte Besatzung räkelt sich auf den bequemen Sitzen mit flauschigen Kopfstützen und stellt fest: Das ist der beste Range Rover ever und der Charakter-Leuchtturm seiner Autoklasse. Grossartig, dass die Briten hin und wieder ein Wagnis eingehen. Dieses hier ist voll gelungen.

 

Das Motoren-Angebot

Als Diesel gibt es den Velar mit 180 und 240 PS (4-Zylinder) sowie 300 PS (6 Zylinder). Die Benziner haben 250 und 300 PS (4-Zylinder) sowie 380 PS (6-Zylinder, Testwagen). Die Preise starten bei 63 500 Franken, der Testwagen ab 76 300 Franken.

 

Bericht und Foto: Andréas Härry